Drei Jahre lang war JPEG XL faktisch tot: von Google aus Chrome geworfen, von Entwicklern vermisst. 2026 ist es zurück. Was das Format kann, warum es so lange blockiert war und wie du es heute einsetzt, ohne dir die Browser-Kompatibilität zu zerschießen.

Was ist JPEG XL überhaupt?

JPEG XL (Dateiendung .jxl) ist ein modernes Bildformat des JPEG-Komitees, standardisiert als ISO/IEC 18181. Der Anspruch war von Anfang an groß: ein einziges Format, das JPEG, PNG, GIF und WebP gleichzeitig ablösen soll, also verlustbehaftet, verlustfrei, animiert und mit Alphakanal, alles in einem.

Auf dem Papier ist JPEG XL jedem etablierten Web-Format überlegen. Drei Eigenschaften stechen heraus:

  • Bessere Kompression als alles andere. Vergleichstests zeigen typisch 50–60 % kleinere Dateien als JPEG bei gleicher Qualität und etwa 10–15 % Vorsprung gegenüber AVIF, das bei praktikablen Kodierzeiten und nicht erst nach Minuten Rechenzeit.
  • Verlustfreie JPEG-Transcodierung. Ein bestehendes JPEG lässt sich ohne Qualitätsverlust in JPEG XL umpacken und schrumpft dabei um rund 20 %. Das Besondere: Der Vorgang ist umkehrbar. Aus dem .jxl kannst du das bit-identische Original-JPEG jederzeit wiederherstellen. Für ein Foto-Archiv ist das ein kostenloser Rabatt von 20 % ohne jedes Risiko.
  • Echtes progressives Decoding. JPEG XL kann ein Bild aus einem Bruchteil der Bytes bereits scharf genug darstellen und dann nachschärfen. Kein anderes modernes Format beherrscht das so sauber.

Warum war JPEG XL drei Jahre lang tot?

Hier wird es zur Lehrstunde über die Macht von Browser-Herstellern.

Ende 2022 kündigte Google an, JPEG-XL-Unterstützung aus Chrome zu entfernen; mit Chrome 110 im Februar 2023 war sie weg. Die Begründung: zu wenig Interesse im Ökosystem. Das Problem an dieser Logik: Ohne Chrome, den mit Abstand meistgenutzten Browser, konnte sich im Web schlicht kein Interesse entwickeln. Eine selbsterfüllende Prophezeiung.

Apple ging den Gegenweg und lieferte JPEG XL ab Safari 17 (September 2023) standardmäßig aus. Damit konnten plötzlich alle iPhone- und Mac-Nutzer JXL anzeigen, sonst aber niemand. Das Format hing in der Schwebe.

Die Wende kam Ende 2025, als mehrere Dinge zusammenfielen. Die PDF Association nahm JPEG XL im November 2025 in die PDF-Spezifikation auf, womit Chrome es allein für die eigene PDF-Anzeige würde unterstützen müssen. In Entwickler-Umfragen wie Interop 2026 landete fehlender JXL-Support regelmäßig unter den größten Schmerzpunkten. Und entscheidend: Es lag ein neuer, in Rust geschriebener Decoder (jxl-rs) vor, speichersicher und damit ohne die Sicherheitsbedenken der alten C++-Implementierung. Die Neuimplementierung trieb übrigens nicht Google selbst voran, sondern unter anderem Helmut Januschka von Krone Multimedia.

Am 21. November 2025 ruderte Chrome-Architekt Rick Byers öffentlich zurück. Bis Januar 2026 war der Rust-Decoder in Chromium gemergt, und Chrome 145 lieferte ihn im Februar 2026 aus, allerdings hinter einem Flag (chrome://flags/#enable-jxl-image-format).

Der Browser-Support 2026 im Überblick

BrowserJPEG XLStatus
Safari✅ standardmäßigseit Safari 17 (2023)
Chrome⚙️ hinter Flagseit Chrome 145 (Feb 2026)
Edge⚙️ hinter FlagChromium-basiert, folgt Chrome
Firefox🧪 nur Nightlystabile Version: deaktiviert

Praktisch heißt das: Stand Mitte 2026 können nur etwa 15–20 % der Nutzer JPEG XL out-of-the-box anzeigen, fast ausschließlich Safari. Die spannende Frage ist die zweite Jahreshälfte 2026: Erwartet wird, dass Chrome JXL dann standardmäßig aktiviert. In dem Moment springt die effektive Abdeckung über Nacht auf rund 85–90 %, weil Edge unmittelbar nachzieht. Firefox dürfte 2027 folgen.

Bis dahin gilt: JPEG XL ist ein „Serve-to-capable"-Format, kein „Serve-everywhere"-Format. Du kannst es nicht als einziges Format ausliefern, ohne einen Teil deiner Besucher ins Leere laufen zu lassen.

JPEG XL vs. AVIF vs. WebP: Wann was?

Die drei modernen Formate konkurrieren nicht wirklich, sie haben unterschiedliche Stärken:

  • WebP ist der sichere Standard. Universeller Browser-Support (über 97 %), gute Kompression, schnelle Kodierung. Wenn nur ein Format infrage kommt, dann dieses.
  • AVIF liefert maximale Kompression fürs Web. Kleiner als WebP, breite Unterstützung (Chrome 2020, Firefox 2021, Safari 16). Nachteil: deutlich längere Kodierzeit.
  • JPEG XL ist technisch das beste, aber (noch) nicht überall. Es glänzt bei Archivierung und verlustfreier JPEG-Recompression, nicht bei der breiten Web-Auslieferung.

Für Animationen ist JPEG XL übrigens nicht die erste Wahl, denn hier sind WebP und AVIF reifer. Als GIF-Ersatz bleibst du besser bei WebP.

Was du heute schon mit JPEG XL machen kannst

Auch wenn die flächendeckende Web-Auslieferung noch wartet, gibt es zwei sinnvolle Einsätze sofort:

1. Archivierung. Pack deine bestehende JPEG-Foto-Bibliothek per verlustfreier Recompression in .jxl um. Das spart 20–30 % Speicher bei null Qualitätsverlust, und du kannst die Originale jederzeit bit-genau rekonstruieren. Für große Bildarchive auf eigener Hardware ist das echtes Geld.

2. Progressive Enhancement. Liefere JPEG XL gezielt an Safari aus und allen anderen AVIF oder WebP, und zwar über das <picture>-Element:

<picture>
  <source srcset="bild.jxl" type="image/jxl">
  <source srcset="bild.avif" type="image/avif">
  <source srcset="bild.webp" type="image/webp">
  <img src="bild.jpg" alt="Beschreibung" width="800" height="600">
</picture>

Der Browser nimmt das erste Format, das er versteht. Safari-Nutzer bekommen heute schon JXL, alle anderen die nächstbeste Variante. Und sobald Chrome den Schalter umlegt, profitieren sie automatisch, ohne dass du etwas änderst.

Praxis-Empfehlung für 2026

  • Web-Auslieferung: AVIF (oder WebP) als Primärformat, JPG als Fallback. Die bewährte Kette bleibt.
  • JXL ergänzend: als oberste <source> in der Fallback-Kette, damit Safari-Nutzer schon profitieren.
  • Archiv: JPEG XL Lossless für deine Original-Bibliothek.
  • Noch nicht: JXL als einziges Format ohne Fallback. Das geht erst, wenn Chrome und Firefox standardmäßig liefern.

Fazit

JPEG XL ist die Rückkehr eines Formats, das technisch jedem Konkurrenten überlegen ist und trotzdem fast an der Marktmacht eines einzigen Herstellers gescheitert wäre. 2026 ist das Jahr, in dem sich das dreht. Wer ein bildlastiges Projekt betreibt, sollte jetzt die Pipeline vorbereiten, damit beim Chrome-Default-Flip in der zweiten Jahreshälfte alles bereitsteht.

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