Über die Formatfrage stolpert früher oder später, wer E-Books außerhalb eines einzelnen Ökosystems liest. Der Tolino will EPUB, der Kindle spricht AZW3 oder KFX. Zudem kursieren im Netz noch MOBI-Dateien aus den 2000ern. Und der Buchladen liefert ein DRM-geschütztes EPUB, das sich partout nicht auf den Kindle schieben lässt. Wie die Formate technisch aufgebaut sind, welches Gerät womit umgehen kann, warum Amazon MOBI abgeschafft hat und wo bei der Konvertierung die realen Grenzen liegen – all das erklärt dieser Artikel.
Was ein E-Book technisch ist
Denselben Grundaufbau haben fast alle verbreiteten E-Book-Formate: Sie sind Container – also Archive –, die Textdateien in einer HTML-Variante, Stylesheets, Bilder, Schriften und eine Metadatendatei bündeln. Der Reader packt den Container aus und rendert das HTML. Anschließend bricht er den Text auf die aktuelle Bildschirmgröße um.
In diesem Umbruch liegt der zentrale Unterschied zu PDF. Ein E-Book im engeren Sinn ist reflowable: Es hat keine feste Seitenzahl, sondern passt sich an Displaygröße, Schriftgröße und Ränder an. Ein PDF ist dagegen fixed layout: Jede Seite hat feste Maße, und auf einem 6-Zoll-Display muss man scrollen und zoomen. Technisch anspruchsvoll ist deshalb die Konvertierung von PDF zu EPUB; von EPUB zu PDF ist sie fast immer verlustfrei möglich – man legt lediglich ein Layout fest, wo vorher keines war.
In der Sprache, die im Container steckt, liegt der zweite wichtige Unterschied. EPUB 3 nutzt XHTML5 und einen großen Teil von CSS. MOBI hingegen nutzt eine Teilmenge von HTML 3.2 aus den 1990ern. Wer eine moderne EPUB-Datei nach MOBI konvertiert, verliert deshalb zwangsläufig Layout. Der Grund ist nicht ein schlechter Konverter, sondern das Zielformat, das die entsprechenden Konstrukte gar nicht kennt.
EPUB: der offene Standard
Ein echter offener Standard ist EPUB als einziges der hier behandelten Formate. Entwickelt wurde es vom International Digital Publishing Forum (IDPF), das 2017 im W3C aufging. Seither wird EPUB dort weitergepflegt. Seit Mai 2023 ist EPUB 3.3 eine W3C-Recommendation.
Eine EPUB-Datei ist technisch ein ZIP-Archiv mit fest vorgeschriebener Struktur:
- Eine Datei
mimetype, die unkomprimiert und als erster Eintrag im Archiv liegen muss – daran erkennen Reader das Format zuverlässig. META-INF/container.xml, die auf die Package-Datei verweist.- Eine OPF-Datei mit Metadaten (Titel, Autor, Sprache, ISBN), dem Manifest aller Ressourcen und der Lesereihenfolge (Spine).
- Die eigentlichen Inhalte als XHTML-Dateien, dazu CSS, Bilder und optional eingebettete Schriften.
- Ein Navigationsdokument (EPUB 3) beziehungsweise eine NCX-Datei (EPUB 2) für das Inhaltsverzeichnis.
Eine EPUB-Datei lässt sich also schlicht in .zip umbenennen und hineinschauen. Warum EPUB als Austauschformat so gut funktioniert, erklärt das ebenfalls: Das Format ist inspizierbar, validierbar (mit dem offiziellen Werkzeug EPUBCheck) und langfristig lesbar.
Die Versionsgeschichte in Kürze: Bis heute ist EPUB 2 (2007, letzte Fassung 2.0.1 von 2010) die kleinste gemeinsame Basis; es läuft praktisch überall. EPUB 3 (2011) brachte XHTML5, deutlich mehr CSS, MathML, SVG, eingebettete Audio- und Videodateien, JavaScript, Media Overlays für Vorlesefunktionen sowie Fixed-Layout-Unterstützung für Comics und Bilderbücher. Vor allem aufgeräumt und den Standard an die Webplattform angeglichen haben die Fassungen 3.2 (2019) und 3.3 (2023).
Außerdem praktisch relevant ist die Barrierefreiheit. Wie ein E-Book für Screenreader nutzbar wird, beschreibt EPUB Accessibility – über semantisches Markup, Alternativtexte und eine saubere Lesereihenfolge. Der European Accessibility Act, der E-Books ausdrücklich einschließt, gilt seit dem 28. Juni 2025. Damit ist EPUB für Verlage nicht nur die technisch, sondern auch die rechtlich sichere Wahl.
MOBI: das Format, das Amazon geerbt und beerdigt hat
MOBI stammt vom französischen Unternehmen Mobipocket, das Amazon 2005 übernahm. Deutlich älter als EPUB ist das Format – und das merkt man ihm an jeder Stelle an.
Eine Palm Database (PDB) bildet den Container – dasselbe Grundformat, das Palm-Handhelds Ende der 1990er nutzten. Darin steckt der Text als HTML-3.2-Teilmenge, komprimiert mit PalmDOC-LZ77 oder optional mit einem Huffman-Verfahren. Die bekannten Einschränkungen ergeben sich daraus:
- Kein echtes CSS. Die Formatierung läuft über HTML-Attribute; zuverlässig steuern lassen sich Randabstände, Schriftfamilien oder mehrspaltige Layouts nicht.
- Keine eingebetteten Schriften. Der Reader nutzt seine eigenen.
- Nur JPEG und GIF als Bildformate, historisch mit einer sehr niedrigen Größenobergrenze pro Bild.
- Kein Fixed Layout – Comics oder Bilderbücher lassen sich nicht sinnvoll abbilden.
- Keine Tabellen mit verschachtelter Struktur, kein SVG, kein MathML.
In mehreren Schritten hat Amazon MOBI außer Dienst gestellt. Am 28. Juni 2021 nahm Kindle Direct Publishing keine MOBI-Dateien mehr für neue, umbrechbare Titel an. Den Versand von MOBI-Dateien über „Send to Kindle" stellte Amazon im August 2022 ein; seither wird stattdessen EPUB akzeptiert. Wer heute eine MOBI-Datei besitzt, hat also ein Archivformat in der Hand. Es ist lesbar auf älteren Geräten und in Software wie Calibre, aber ohne Zukunft im Amazon-Ökosystem. Am sinnvollsten überführt man es in ein offenes Format, etwa mit MOBI → EPUB.
AZW, AZW3 und KFX: Amazons eigene Leiter
Über die Jahre hat Amazon eine ganze Reihe eigener Formate gestapelt, die sich leicht verwechseln lassen.
AZW
Im Kern ist AZW eine MOBI-Datei mit Amazons DRM. Die technischen Fähigkeiten und Grenzen entsprechen denen von MOBI; der Unterschied liegt in der Verschlüsselung und der Bindung an ein Kundenkonto.
AZW3 (Kindle Format 8)
2011 erschien KF8 – als Dateiendung .azw3 – mit dem Kindle Fire, 2012 kam es auf die E-Ink-Geräte. Es ist der große Sprung nach vorn. Eine HTML5-Teilmenge und einen erheblichen Teil von CSS3 unterstützt KF8. Damit sind eingebettete Schriften, Initialen, verschachtelte Tabellen, nummerierte Listen, SVG und Fixed-Layout-Inhalte möglich. AZW3 ist faktisch Amazons Antwort auf EPUB 3 – funktional grob vergleichbar, aber proprietär.
Eine Kuriosität aus dieser Übergangszeit: Häufig erzeugte Amazons damaliges Werkzeug Kindlegen Dual-Format-Dateien mit der Endung .mobi. Intern enthielten diese sowohl einen alten MOBI- als auch einen KF8-Abschnitt. Neue Geräte lasen den KF8-Teil, alte den MOBI-Teil – dafür war die Datei ungefähr doppelt so groß wie nötig.
KFX
Seit etwa 2015 ist KFX Amazons aktuelles Format und die Grundlage für das sogenannte Enhanced Typesetting: verbesserte Silbentrennung, Ligaturen, Kerning, sauberer Blocksatz sowie Funktionen wie Page Flip und Word Wise. Deutlich stärker abgeschottet als AZW3 ist KFX. Üblicherweise wird es nicht sideloadet, sondern von Amazon serverseitig erzeugt. Überträgt man heute ein EPUB per Send to Kindle, wandelt Amazon es auf dem Server in KFX um.
Der direkte Vergleich
| Merkmal | EPUB 3 | MOBI | AZW3 (KF8) | KFX |
|---|---|---|---|---|
| Erschienen | 2011 | 2000er | 2011 | ca. 2015 |
| Standardisiert | W3C, offen | proprietär | proprietär | proprietär |
| Container | ZIP | Palm Database | Palm Database (KF8) | eigenes Binärformat |
| Markup | XHTML5 | HTML-3.2-Teilmenge | HTML5-Teilmenge | intern, aus HTML erzeugt |
| CSS | umfangreich | praktisch keins | CSS3-Teilmenge | ja, plus eigene Engine |
| Eingebettete Schriften | ja | nein | ja | ja |
| Fixed Layout | ja | nein | ja | ja |
| Audio/Video | ja | nein | eingeschränkt | eingeschränkt |
| Barrierefreiheit | eigener Standard | kaum | begrenzt | begrenzt |
| Status | aktuell | abgekündigt | Altbestand/Sideload | aktuell bei Amazon |
Welches Gerät liest was?
| Gerät / App | EPUB | MOBI | AZW3 | Anmerkung |
|---|---|---|---|---|
| Kindle (E-Ink) | nur über Send to Kindle (Umwandlung in KFX) | nur sideloadet, ältere Geräte | ja, per USB | Kein direktes EPUB-Sideload per USB |
| Tolino | ja | nein | nein | EPUB plus Adobe-DRM |
| Kobo | ja | ja | nein | Nutzt intern KEPUB, eine eigene EPUB-Variante |
| PocketBook | ja | ja | teilweise | Sehr breite Formatunterstützung |
| Apple Books | ja | nein | nein | EPUB und PDF |
| Google Play Books | ja | nein | nein | EPUB und PDF |
| Calibre | ja | ja | ja | Liest und schreibt praktisch alles ohne DRM |
Die erste Zeile ist die wichtigste. Per USB-Kabel akzeptiert ein Kindle kein EPUB. Über Send to Kindle – per Mail oder App – führt der Weg; dabei wird die Datei von Amazon serverseitig konvertiert. Wer das nicht will oder ein älteres Gerät besitzt, konvertiert vorher selbst, etwa mit EPUB → MOBI für ältere Kindles.
Umgekehrt gilt: Auf einen Tolino oder Kobo lässt sich ein AZW3 aus dem Kindle-Bestand mit AZW3 → EPUB bringen – vorausgesetzt, die Datei ist frei von DRM.
DRM: der eigentliche Grund, warum Konvertierung scheitert
Bei den meisten Formatproblemen im Alltag handelt es sich gar nicht um Formatprobleme, sondern um Kopierschutzprobleme. Zwei große Lager gibt es beim digitalen Rechtemanagement:
- Amazon-DRM in AZW, AZW3 und KFX. An ein Kundenkonto und teils an eine Geräte-ID ist die Datei gebunden.
- Adobe DRM (ADEPT) und zunehmend Readium LCP bei EPUB-Dateien aus dem übrigen Handel. Freigeschaltet wird die Datei hier über eine Adobe-ID oder ein Passwort.
Verschlüsselt ist ein DRM-geschütztes E-Book. Daraus kann kein Konverter etwas machen, weil er den Inhalt schlicht nicht lesen kann. Typischerweise bricht die Umwandlung mit einer Fehlermeldung ab oder erzeugt eine leere Datei. Das ist kein Bug, sondern der Zweck der Verschlüsselung. Das Urheberrecht regelt, ob und wie DRM entfernt werden darf; in Deutschland ist das Umgehen wirksamer technischer Schutzmaßnahmen nach § 95a UrhG grundsätzlich unzulässig. Vergleichbare Regeln gelten EU-weit. Wer Bücher formatunabhängig lesen will, kauft sie am besten von vornherein DRM-frei – das bieten viele Fachverlage und Plattformen an.
Praktischer Test: DRM-frei ist die EPUB-Datei, wenn sie sich in .zip umbenennen und normal entpacken lässt. Geschützt ist sie, wenn sich darin eine Datei META-INF/encryption.xml oder rights.xml findet.
Was bei der Konvertierung wirklich passiert
Den Container liest ein Konverter aus; das enthaltene Markup wird interpretiert und in die Zielstruktur geschrieben. Dabei gelten dieselben Regeln wie bei jeder Formattransformation: Verloren geht, was das Zielformat nicht kennt. Das bedeutet konkret:
- EPUB → MOBI: Weg fallen eingebettete Schriften, aufwendiges CSS, SVG und MathML. Erhalten bleiben Text, Kapitelstruktur und Inhaltsverzeichnis.
- MOBI → EPUB: Verlustarm, weil das Quellformat weniger kann als das Zielformat. Was im MOBI nie drin war, entsteht dabei aber auch nicht neu.
- AZW3 → EPUB: Meist sehr sauber, da beide Formate einen ähnlichen Funktionsumfang haben und auf HTML/CSS aufsetzen.
- EPUB → PDF: Ein festes Layout entsteht aus einem umbrechbaren Text. Zum Drucken oder Archivieren sinnvoll, aber mühsam ist der Weg zurück.
Metadaten sind ein häufiger Stolperstein. In der OPF-Datei stehen Titel, Autor und Sprache. Stammt ein E-Book aus einer schlechten Quelle, sind diese Felder oft leer oder falsch. Unter „Unbekannt" sortiert die Bibliothek das Buch dann nach der Konvertierung ein. In einer Minute korrigieren lässt sich das in Calibre oder einem EPUB-Editor – man muss nur wissen, wo man suchen muss.
Wer Bücher aus dem russischsprachigen Raum verwaltet, trifft außerdem häufig auf FB2. Das Format ist XML-basiert und hat eine eigene Struktur. Auch dafür gibt es einen direkten Weg mit FB2 → EPUB.
Empfehlung: Was wofür
| Situation | Format | Begründung |
|---|---|---|
| Eigene Bibliothek archivieren | EPUB (möglichst DRM-frei) | Offener Standard, inspizierbar, langfristig lesbar |
| Aktueller Kindle | EPUB über Send to Kindle | Amazon erzeugt daraus KFX mit bester Typografie |
| Älterer Kindle ohne Send to Kindle | AZW3, ersatzweise MOBI | Per USB direkt übertragbar |
| Tolino, Kobo, PocketBook | EPUB | Natives Format dieser Geräte |
| Comics, Bilderbücher, Lehrbücher | EPUB 3 Fixed Layout oder PDF | Layout muss erhalten bleiben |
| Drucken oder amtlich einreichen | Feste Seiten, definierte Darstellung |
Häufige Fragen
Kann ich ein EPUB einfach per USB auf den Kindle kopieren?
Nein. Sideloadete EPUB-Dateien werden von Kindle-Geräten nicht direkt gelesen. Entweder nutzt man Send to Kindle, wobei Amazon die Datei serverseitig umwandelt, oder man konvertiert vorab selbst nach AZW3 beziehungsweise MOBI. Das Ergebnis wird anschließend per Kabel übertragen.
Ist AZW3 besser als EPUB?
Funktional liegen beide etwa gleichauf – AZW3 war Amazons Gegenstück zu EPUB 3. Der Unterschied ist strategisch: EPUB ist ein offener W3C-Standard, den viele Geräte lesen; AZW3 funktioniert dagegen praktisch nur im Kindle-Umfeld. Deshalb ist EPUB die robustere Wahl für die eigene Sammlung.
Warum bricht meine Konvertierung mit einem Fehler ab?
In den allermeisten Fällen ist DRM die Ursache. Eine geschützte Datei ist verschlüsselt und für den Konverter nicht lesbar. Ein schneller Test: EPUB in .zip umbenennen und entpacken. Klappt das nicht oder liegt darin eine encryption.xml, ist die Datei geschützt.
Verliere ich beim Konvertieren die Formatierung?
Von der Richtung hängt das ab. Praktisch nichts geht verloren, wenn vom ärmeren ins reichere Format konvertiert wird – etwa von MOBI zu EPUB. In die andere Richtung fallen Elemente weg, die das Zielformat nicht kennt: eingebettete Schriften, komplexes CSS, SVG. In beiden Richtungen bleiben Text und Kapitelstruktur erhalten.
Was ist mit KFX – kann ich das konvertieren?
Amazons aktuelles, stark abgeschottetes Format ist KFX; es ist praktisch immer DRM-geschützt. Als Austauschformat ist es nicht gedacht. Bücher, die man formatunabhängig halten will, sollte man DRM-frei erwerben und als EPUB archivieren, statt später aus KFX heraus konvertieren zu wollen.
Fazit
Übersichtlicher, als sie wirkt, ist die Formatlandschaft bei E-Books. Ein Relikt aus der Palm-Ära ist MOBI; Amazon hat es 2021 und 2022 endgültig ausgemustert. Es taugt nur noch für alte Geräte. Der technisch solide Zwischenschritt war AZW3; heute ist das Format vor allem für das Sideloading auf Kindle-Geräte relevant. Amazons Gegenwart ist KFX – ein geschlossenes Endformat, kein Austauschformat. Übrig bleibt EPUB als einziges offenes, standardisiertes und breit unterstütztes Format. Für die eigene Sammlung lautet die Regel daher: DRM-frei kaufen, als EPUB archivieren und daraus bei Bedarf ableiten, was das jeweilige Gerät gerade braucht.
E-Books konvertieren mit wandlio
Für die hier beschriebenen Wege gibt es passende Konverter:
- MOBI → EPUB: Altbestände in ein offenes Format überführen
- AZW3 → EPUB: Kindle-Bücher für Tolino, Kobo und PocketBook nutzbar machen
- EPUB → MOBI: für ältere Kindle-Geräte ohne Send to Kindle
- EPUB → PDF: festes Layout zum Drucken oder Archivieren
- FB2 → EPUB: FictionBook-Dateien in den Standard bringen
Serverseitig laufen die Dokumentkonvertierungen; nach der Umwandlung wird deine Datei gelöscht. Konvertieren lassen sich DRM-geschützte Dateien nicht.
